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Zukunftsaussichten für Bauingenieure: Studium beginnen?

13 Kommentare | 8934 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Thema eröffnet von Bikengnaoeln | letzter Kommentar vom 31. August 2021 - 18:53

Ich werde demnächst höchstwahrscheinlich Bauingenieurwesen studieren. In manchen Foren lese ich, dass viele vor 7-8 Jahren ihren Studiengang im Bauingenieurwesen bereuen, aufgrund der schlechten Bezahlung und der Überstunden. Zudem kommt auch noch, dass die Jobaussichten damals sehr schlecht waren.

Nun, gibt es Änderungen? Wie sind die heutigen Jobaussichten? Lohnt sich der Studiengang? Ich möchte nach dem Studium erst Erfahrungen sammeln und mich anschließend selbstständig machen. Würde sich dies lohnen? PS: Ich interessie mich sehr für Bauwesen!

Bobderbaumeister | 31. August 2021 - 18:53

@Friedrich | 21. Mai 2021
"Umsatteln auf Berufsschullehramt / Lehramt (je nach dem, was möglich ist)"

Sehr unterschiedlich und von Bundesland zu Bundesland anders, manche verbeamten dich direkt mit dem Bachelor auf A11 bzw. EG 11, ist aber eher selten. Mit Master kannst du dich direkt als Quereinsteiger aufs Referendariat bewerben, da sind aber eher Maschinenbauer, E-Techniker und Informatiker gefragt.

Die einzige wirklich sichere Möglichkeit, die nicht von Glück (Stellenschlüssel zum Zeitpunkt deiner Bewerbung) abhängig ist, ist nach dem Bachelor in den Lehramtsmaster zu wechseln. Das geht z.B. an der Uni Erfurt, der Uni Wuppertal und in Darmstadt gut.

Sollte deine Bachelorhochschule aber kein Seminar für Lehramtsinteressierte angeboten haben, musst du meist noch ein Semester nachstudieren und ein Praktikum nachholen, so dass du dann 3 Jahre Master machst statt 2.

Dafür wirst du dann aber regulär verbeamtet mit A13+Z und Anspruch auf Einstellung bei Bedarf. Zuletzt kannst du es noch bei Privatschulen versuchen, die zahlen aber meist schlechter oder haben die selben Anforderungen wie staatliche. (Referendariat)

Buddler | 27. Juni 2021 - 13:30

@Philipp:
Kleines Wortspiel, in der Baubranche siehst du nicht so sehr, was du "geschafft" (oder, besser, geschaffen?) hast, sondern was dich "geschafft" hat. In den Baubetrieben regieren Gebrüll, Erbsenzählerei und Fachkräftemangel, es ist sehr international, da schon die einheimischen Facharbeiter zunehmend einen Bogen um die Branche machen. Das Gehalt hinkt hinterher und bei jeder Konjunkturdelle kriegst du den berühmten Tritt und bist raus.

Bauwesen ist lowtech, in den USA ist es eine Branche der Einwanderer und ein Armeleutestudium, den Master machen sie dann nach Feierabend, wenn sie tagsüber für die Ingenieurbüros gezeichnet haben. In Deutschland ist zu unterscheiden zwischen der Baubranche (Baubetriebe) und den nicht dazu zählenden "Dienstleistern", den Ingenieur- und Architekturbüros.
Schon bei den Projektsteuerern, in den öffentlichen Ämtern haben seit längerer Zeit nicht mehr Ingenieure und Architekten das Sagen, sondern Verwaltungswirte von der Verwaltungsschule und spezialisierte Betriebswirte und Juristen, für die "Techniker" eh nicht satisfaktionsfähig sind.

Und noch etwas, wer sagt, dass ihm ein niedriges Gehalt nichts ausmacht und eher eine ausgeglichene work-life-balance wichtig sei, der hat es nicht begriffen. Denn im Ingenieur- und Architekturbereich wird in der Regel, absolute Freaks und Überflieger mal ausgenommen, ein niedriges Gehalt mit einer üblen work-life-balance kombiniert.

Ich bin seit über einem viertel Jahrhundert dabei - nicht geschimpft ist genug gelobt, fehlender Arbeits- und Gesundheitsschutz, keinerlei Weiterbildung oder Personalentwicklung, Gehaltserhöhungen lange Jahre nur über Wechsel des Arbeitgebers - verbunden damit, woanders wieder bei Null anzufangen, was die Etablierung betrifft.

Ständiger Termindruck, gemessen an anderen Branchen ist Bauwesen eine ständige vorsätzliche Körperverletzung, die sich die Beteiligten gegenseitig antun, dass so die Prinzipien. Ich bin mal vom Projektingenieur zum Projektleiter "befördert" worden, bei gleichem Gehalt. Na, wenn das kein Erfolg ist.

Abgesehen davon sonnen sich einige mit hohen Gehältern, machen aber jede Menge Überstunden und rechnen nicht, dass sie sich jede geleistete Stunde ausbeuten lassen. Abgesehen davon, dass vielen nicht bewusst ist, dass sie die zwei Prozent Gehaltserhöhung, die sie so im Jahr aushandeln, im Wesentlichen von der Inflation aufgefressen werden.

Es sind halt nicht die Leute mit der besten Allgemeinbildung und dem sonstigen Durchblick, die sich im Bauwesen tummeln.

Philipp | 22. Juni 2021 - 13:52

Ist der Beruf des Bauingenieurs denn wirklich so schlecht? Ich interessiere mich wirklich brennend für die Baubranche. In welchen Branchen sieht man sonst so sehr was man geschafft hat?! Ich würde auch gerne Bauingenieurwesen studieren (befinde mich gerade in meiner Ausbildung).

Das Gehalt ist mir mehr oder weniger egal, jedoch möchte ich eine ausgewogene WL-Balance haben und das Studium soll sich auch finanziell lohnen. Sollte ich lieber was anderes als Bauingenieurwesen studieren?

Buddler | 20. Juni 2021 - 13:03

Nie wieder Bauingenieurwesen. Die Verantwortung und der Stress sind riesig, die Haftungsrisiken auch, während Investoren und Projektentwickler den Reibach machen und das eigene Einkommen jeder Beschreibung spottet. Dauernd sitzen einem Juristen, BWLer und Projektsteuerer im Nacken und dazu noch ein komplexes fachliches Aufgabenfeld, welches unter immensem Termindruck abzuarbeiten ist.

Berufsständisches Denken und eine wirkungsvolle Interessenvertretung existieren faktisch nicht, wenn schon, werden die Interessen des Staates und der Investoren im Berufsstand vertreten. Die Honorarordnung ist ein Witz. Einige schaffen es, indem sie sich mit - aber gemessen am Ergebnis auch unverhältnismäßig - hohem Aufwand selbständig machen und ihre Angestellten ausbeuten. Der Trend ist wie in den USA, es wird ein Berufsfeld für Einwanderer.

Hubert | 12. Juni 2021 - 08:49

Ich habe mein Studium 1988 abgeschlossen. Die Konjukturverläufe sind sehr zyklisch. Genauso verhalten sich auch dann die Jobangebote. Die Gehaltsentwicklung hinkt der Industrie deutlich hinterher. Daher ein Studium besser bleiben lassen. Suche etwas in einer Branche
die von Haus aus eine konstantere Entwicklung aufweist.

Bauleiter | 07. Juni 2021 - 11:00

@Friedrich:
Wie "Bauing." schon sagte: Überlege es dir, Bauleitung ist nicht für jeden gemacht, der Stresspegel kann sehr schnell sehr hoch werden und dich auch psychisch auslaugen. Der Markt für abgeschlossene Ingenieure ist derzeit mehr als ideal, aber das kann sich sehr schnell ändern. Die Corona-Krise ist auch noch nicht wirklich in der Baubranche angekommen. Weiterhin solltest du bedenken, dass die Baubranche sehr zyklisch ist, vor 20 Jahren hatten es z.B. graduierte Bauingenieure sehr schwer und heute laufen sie einem hinterher.

Bauing. | 21. Mai 2021 - 18:16

@Friedrich:
Bevor du dein Physikstudium (6 Semester) abbrichst und alles auf die Karte "Bauingenieur" setzt, empfehle ich dir dringend ein intensives Praktikum in der Bauleitung - ggf. auch mal im Ingenieurbüro - zu absolvieren. Auch seinen ganzen beruflichen Werdegang exakt durchzuplanen, halte ich für keine gute Option. Nach dem Studium musst du erst mal rausfinden, was dir liegt und Spaß macht und dich erst dann spezialisieren und in dem Bereich gut werden! Ich habe Leute neben mir gehabt die "tolle" 1,X Uni-Abschlüsse hatten, doch in der Bauleitung völlig untergegangen sind.

Wie schon gesagt, mache Praktika und schnupper erst mal rein. Der Beruf Bauingenieur ist einer der vielfältigsten Berufe (verschiedene Disziplinen, Bauunternehmen, Planung, AG/AN-Seite). Jobaussichten: Es gehen viele in Rente und junge Leute wollen sich den Stress, die Verantwortung und dann die schlechte Bezahlung dafür nicht antun. Es wird also eine große Nachfrage geben bzw. ist schon zu spüren. Die starke Abhängigkeit der Konjunktur in der Branche kann das jedoch stark ändern.

Friedrich | 21. Mai 2021 - 14:50

Ich spiele mit dem Gedanken ein Bauingenieurstudium zu beginnen. Habe zuvor bereits 6 Semester Physik studiert und dabei gemerkt, dass mir Software/IT lastige Sachen überhaupt keinen Spaß machen. Deswegen bin ich auch auf das Bauingenieur-Studium gekommen.

Als Studienort würde ich bevorzugt eine Universität wählen. Primär hätte ich hier die TU Darmstadt im Auge. Hier möchte ich dann auch meinen Bachelor + Master machen. Anschließend möchte ich gerne ca. 5 - 10 Jahre in der Bauleitung arbeiten. Bevorzugt würde ich mir als Potenziellen Arbeitgeber ein KMU aussuchen. Für Auslandsaufenthalte bin ich - sofern sie gut bezahlt sind - natürlich jederzeit offen.

Da ich mir natürlich auch des großen Stresses und der dafür geringen Bezahlung bewusst bin, habe ich mir auch schon Gedanken über mögliche Karrierepfade gemacht. Hierzu habe ich mir folgende Optionen überlegt:

  • Rückkehr an die Uni mit anschließender Promotion + Professur um später als Hochschullehrer zu arbeiten (Deswegen präferiere ich auch ein Universitätsstudium, als mögliches Thema für meine Dr. Arbeit könnte ich mir etwas mit nachhaltigen Baukonzepten vorstellen)
  • Selbstständigkeit mit eigenem Ingenieurbüro (Wäre es hier evtl. sinnvoll ein Doppelstudium aus Architektur und Bauingenieurwesen zu absolvieren, um sich von der Menge abzuheben?)
  • Umsatteln auf Berufsschullehramt / Lehramt (je nach dem, was möglich ist)
  • Weiterbildung zum Patentanwalt
  • Tätigkeit als Immobilienmakler
Mich würde nun interessieren, wie realistisch ihr meine Karrierepfade findet, und ob ihr evtl. noch weitere Tipps habt. Außerdem wäre es mal Interessant zu wissen, wie zufrieden ihr mit eurem Job seid?

Fischkopf | 17. April 2018 - 07:50

Also es kommt immer darauf an. Ich habe mich damals für den Beruf des Bauingenieurs entschieden, da mich die Möglichkeit im Ausland zu arbeiten und dabei in unterschiedlichen Ländern zu leben, schon immer gereizt hat. Das Gehalt im Ausland ist meist überdurchschnittlich und ich konnte mich nie beklagen. Die Projekte sind immer wieder neu und interessant, was es gerade so spannend macht. Ich könnte mir keinen besseren Beruf vorstellen.

B-Ing-95 | 05. April 2018 - 18:00

Wenig innovativ, Planung strukturiert als Kleingewerbe (Krauter, Küchentischplaner), permanenter Zeitdruck, wenig gesellschaftliche Anerkennung, wenig Geld für viel Verantwortung, horrende Haftungsrisiken, wenig Aufstiegsmöglichkeiten, konjunkturabhängig, Zukunft der Honorarordnung ungewiss, ausufernde Arbeitszeiten, schlechte Interessenvertretung (sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber) und die nächste Bauingenieurschwemme wird geade aufgebaut (siehe bauindustrie.de/bildung/studierendenstatistik/), für Angestellte in der Wirtschaft keine Tarife. Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, BWL - dort geht etwas.

Bodenseeschorsch | 24. März 2018 - 16:13

@Bikengnaoeln:
Zu den Fragen:

Wie sind die heutigen Jobaussichten?
Derzeit wohl nicht ganz schlecht, einen Job finden die meisten Absolventen. Die Konditionen (Gehalt, Arbeitszeiten, Arbeitsplatzsicherheit) sind halt in der Regel schlecht.

Lohnt sich der Studiengang?
Aus finanziellen Gesichtspunkten betrachtet definitiv nicht.

Ich (...) anschließend selbständig machen. Würde sich dies lohnen?
So pauschal nur sehr schwer zu beantworten, allerdings ist die Chance ein Unternehmen in die Pleite zu führen nur in der Gastronomie noch höher als in der Baubranche.

Bodenseepirat | 23. März 2018 - 14:10

Ich kann nur für mich sprechen. Es war die richtige Entscheidung und ich würde sie wieder treffen. Es gibt Branchen, da kannst du mit deutlich weniger Stunden deutlich mehr verdienen, aber für mich ist es eine Berufung und nicht nur ein Job. Es muss DIR Spaß machen! Und niemand sagt, dass du ewig in der Baubranche tätig sein musst. Ich kenne persönlich einige, die es nach einigen Jahren Bau in andere Fachgebiete gezogen hat. Wenn du Bock auf Bauingenieurwesen hast, mach es! Wenn dich aber nicht das Studium, sondern die Jobchancen reizen, dann überleg's dir wirklich genau.

baui-m | 22. März 2018 - 15:34

Der Arbeitsmarkt gibt momentan viel her. Das sieht man allein schon an den täglich hinzukommenden Stellenangeboten hier auf b24. Wie das in 5-10 Jahren aussieht, kann keiner mit Gewissheit sagen. Eine Jobgarantie mit tollen Konditionen von Studiumsende bis zur Rente wird dir hier niemand geben können. Ebenso kann dir hier niemand versprechen, dass deine Auftragsbücher als Selbstständiger die nächsten 30 Jahre rundum zufriedenstellend gefüllt werden sein.

Ich kann dir nur - versucht wertungsfrei - mitgeben, dass der Alltag sehr stressig sein kann. Überstunden gehören (auch in der Planung und nicht nur in der BL), zumindest bei mir, fest dazu. Aber in welchem Ingenieurberuf ist das heutzutage nicht so?! Ein Topgehalt/Tophonorar, wie es z.B. Ärzte oder Notare aufweisen, kann ich dir ebenso wenig versprechen, da die Gehälter von vielen Faktoren wie Region, Firmengröße, Fachbranche, etc. und vor allem auch von dir selbst abhängen. IGM-verdächtige Verträge mit regelmäßigen selbstständigen Gehaltssprüngen und Zulagen für alles mögliche werden dir die wenigsten in dieser Branche vorlegen können.

Ob du Bauingenieur werden sollst oder nicht, musst du selbst entscheiden. Ich werde dir auf keinen Fall eine "Tu es" oder "Lass es"-Aussage geben.

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