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Sonntag, 25. August 2019
Ausgabe 6579 | Nr. 237 | 19. Jahrgang
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Zwei Diplomarbeitsthemen - Welches wählen?

3 Kommentare | 2753 Aufrufe Kommentar hinzufügen
Darja | Thema eröffnet vor 8 Jahren

Hallo liebe Bauingenieure,

ich stehe kurz vor meinem Abschluss, es fehlt nur noch die Diplomarbeit. Da habe ich allerdings die Qual der Wahl und würde gerne von erfahrenen Ingenieuren eine Meinung hören. Die Folgenden zwei Möglichkeiten stehen zur Auswahl:

1. Ich habe schon seit längerer Zeit eine Zusage von der University of California, San Diego, um dort meine Diplomarbeit anzufertigen. Die Betreuung und Note würde aber aus Deutschland kommen. Das Thema würde sich mit Erdbebeningenieurwesen befassen und sich mehr auf nichttragende Elemente eines Gebäudes beziehen (Hier die Info: http://bncs.ucsd.edu/index.html). Das Visum ist schon beantragt. Vorteile: Es ist ein interessantes, anspruchsvolles Thema. Mein Englisch würde sich sicherlich noch um einiges verbessern (würde die Arbeit definitiv auf Englisch verfassen). Im Lebenslauf würde dies bestimmt einen guten Eindruck machen.

Nachteile: Ich brauche dafür relativ viel Geld. Eine Lösung für die Finanzierung habe ich zwar gefunden, aber leider wahrscheinlich mit etwas Schulden. Außerdem wird es noch eine Weile dauern, bis das Visum fertig ist. Das heißt, ich kann höchst wahrscheinlich nicht vor Ende Juni anfangen, obwohl ich jetzt schon Zeit hätte. Und wie weit ich mich in Deutschland vorher darauf vorbereiten kann, ist fraglich.

Das schlimmste ist allerdings, dass ich mich mit meinem hier in Deutschland betreuenden Professor nicht wirklich gut verstehe. Er zeigt leider kein Fünkchen Motivation und Interesse für mich und ich denke seine Unterstützung wird sich auch in Grenzen halten. Ich fühle mich ziemlich alleine gelassen. Er hat mir zwar vor über einem Jahr mit etwa zwei Sätzen in einer E-Mail an die UCSD die Stelle verschafft, aber alles andere an Kontakt usw. habe ich mir selbst aufgebaut und erhalten. Manchmal hat er sogar nicht einmal auf meine E-Mails reagiert. Es ist auch ungewiss, wie die Betreuung in San Diego ist. Ich kann mich bei der Sache auf niemanden verlassen und das macht mich etwas unsicher.

2. Ich arbeite nebenbei in einem Ingenieurbüro. Somit wäre die andere Lösung meine Diplomarbeit in meiner jetzigen Firma zu schreiben. Mein Chef würde sich darüber sehr freuen und mich ganz sicher super betreuen. Er ist von meiner Arbeit begeistert. Ich müsste sogar nicht aufs Ausland verzichten. Denn ich hätte auch eine Zusage für ein 2-monatiges Praktikum an der Universität von Montenegro. Mit beiden Sachen zusammen wäre ich etwa zeitgleich fertig wie in Kalifornien. Mein Thema würde hier in Richtung Hohlprofilkonstruktionen, also Stahlbau gehen.

Vorteile hier: Ich würde im Gegensatz zu Kalifornien sowohl für Diplomarbeit, als auch für das Praktikum Geld bekommen. Wie oben genannt bin ich mir sicher, dass ich eine wirklich gute Betreuung erhalte. Ein späterer Einstieg in die Firma bzw. gute Empfehlungen sind nicht auszuschließen. Ich habe sonst auch keine Bedenken wegen anderen Jobchancen, aber die Arbeit in diesem Büro macht mir Spaß und das Arbeitsklima ist einwandfrei.

Außerdem würde das Praktikum über IAESTE laufen. Damit habe ich schon vor 2,5 Jahren Erfahrungen gemacht (Praktikum in Athen) und das war einer meiner besten Lebensabschnitte überhaupt. Nachteile: Meiner Meinung nach hört es sich einfach nicht so beeindruckend an wie eine Diplomarbeit an der UCSD. Das Thema wäre auch lang nicht so anspruchvoll und interessant.

Jetzt bitte ich euch nach einer fachlichen und ehrlichen Meinung. Ich muss mich wirklich sehr schnell entscheiden. Die zweite Lösung ist sicherlich einfacher, muss aber natürlich nicht die bessere sein. Ich würde es bestimmt auch irgendwie mit einem unmotivierten Professor in San Diego schaffen und es ist auch eine überaus gute Möglichkeit. Dennoch scheinen mir eine Diplomarbeit bei meiner jetzigen Firma und das zusätzliche Praktikum in Montenegro auch attraktiv. Ich bin hin- und hergerissen. Bitte helft mir!

Viele Grüße
Darja

| 06. April 2011 - 08:29

Hallo Darja,

ich würde auf jeden Fall auf Grundlage der Infos die Du geliefert hast die USA wählen. Schätze, wenn Du einen interessanrten Berufsalltag suchst ist dieser Weg der bessere (auch kein Garant, aber zumindest klingt das nach gutem Anfang).

Wegen des Profs würde ich mir nicht so viele Sorgen machen (eher der Normalfall, wie Gleichgewicht schon schrieb). Habe zwei Diplome und bei beiden habe ich mir ein Thema gesucht, vom Betreuer bestätigen lassen und als ich fertig war habe ich die Arbeit abgeliefert (keine Betreuung, nur Benotung). Vielleicht nicht ideal, aber es geht (ging sehr gut) und beide waren besser als gut.

Viel Glück!

Equilibrium | 05. April 2011 - 07:34

Hallo Darja,

dass sich Professoren nicht gerade dafür engagieren, dass ihre Studenten außerhalb des eigenen Lehrstuhls die Arbeit anfertigen ist leider (in Deutschland) völlig normal. Im Grunde interessieren sich viele Professoren ohnehin nicht viel für die Studenten, da sie oft mit eigenen Ingenieurbüros u. ä., mit Gremienarbeit und mit ihren eigenen Steckenpferden voll ausgelastet sind. Ich habe selbst über 5 Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl gearbeitet und muss leider sagen, dass es kaum direkten Kontakt zwischen den Studenten und dem Professor gab. Aber wenn Dein Prof. zumindest einverstanden ist (und das scheint er ja zu sein) und Du einen Ansprechpartner seitens des Lehrstuhls bekommst (also zumindest einen Wissenschaftlichen Mitarbeiter, der sich dann um Deine Arbeit kümmert), dann würde ich die USA vorziehen.

Letztlich ist eine Diplomarbeit aber auch eine selbständig anzufertigende Arbeit. Ich habe mit meinen Diplomanden zwar regelmäßig Gespräche geführt, um sie auf den richtigen Weg (=Umsetzung der Aufgabenstellung) zu bringen, aber laufen mussten sie am Ende ohnehin allein. Es handelt sich ja letztlich um eine Prüfung. Daher würde mich ein geringer oder nicht ganz optimaler Betreuungsumfang seitens Deiner deutschen Uni auch nicht allzu sehr abschrecken, sofern Du von Deiner Arbeitsweise her ein selbständiger Typ bist. Falls Du aber eher dazu neigst, Dich regelmäßig absichern zu wollen und auch während des Studiums sehr häufig in die Beratungsstunden gegangen bist, dann liegt Dir diese Arbeitsweise möglicherweise weniger.

Ohne Kenntnis der genauen Umstände (letztlich kannst nur Du entscheiden) würde ich eher zur USA-Variante neigen. Später im Leben wirst Du womöglich nie wieder die Freiheit haben, Dich auf so ein spannendes Abenteuer einlassen zu können und bereust dann die Entscheidung gegen Kalifornien. Die Schulden, die Du jetzt machen müsstest, hättest Du schnell wieder eingespart, wenn Du nach Aufnahme einer Arbeit zunächst mal den geringen Studentenlebensstandard für ein paar Monate aufrecht erhältst (also zunächst vielleicht nur ein Appartement mietest statt einer Wohnung und auf ein Auto verzichtest). Da sind ein paar Tausend Euro schnell wieder eingespart.

timson | 04. April 2011 - 18:46

Also aus dem Bauch heraus würde ich eindeutig zur UCSD tendieren. Hast du denn schon Kontakt mit dem Prof aufgenommen, der dich da betreuen würde? Wenn ja und du einen guten Eindruck von ihm hast, dann mach es auf jeden Fall. Neben der Lebenserfahrung öffnet dir das mit Sicherheit auch einige Türen und Tore. Gegen die USA spräche aus meiner Sicht eigentlich nur die Sache mit dem Geld. Gibt es da keine Stipendien, für die man sich noch bewerben kann?

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