Beheizte Bewehrung?

  • Veröffentlicht von Legacy Forum User am 21. Nov. 2007 15:34
  • Neueste Antwort:vor 11 Jahren
Kann man, wenn man bei Betonierarbeiten die Bewehrung mit Drähten (Strom durch Kurzschluß) heizt, bei minus 15°C betonieren und dann nach 12 Stunden bei konstanter Betontemperatur von 5°C ausschalen?



Kann man Beton (Technische Möglichkeiten) nach 24 Stunden soweit bringen, dass er seine Endfestigkeit (28 Tage) erreicht?



Danke für eure Antworten!

Chris

4 Kommentare

Sie müssen sich anmelden oder ein Konto erstellen, um einen Beitrag zu erstellen.

Wenden Sie sich an den Administrator, um einen Beitrag/Kommentar zu melden, zu entfernen oder zu ändern.

    • Veröffentlicht von: Legacy Forum User
    • 21. Nov. 2007 17:29
    Beton erreicht eine schellere Festigkeit/Begehbarkeit durch das Vakuumverfahren.
    • Veröffentlicht von: Legacy Forum User
    • 23. Nov. 2007 08:26
    Ich habe mich vielleicht ein bischen unverständlich ausgedrückt, folgendes Problem (angenommen):



    Die Umgebungstemperatur beträgt - 15°C; die (Frisch-) Betontemp. beträgt 12°C.



    Gibt es ein Verfahren (ausser Vakuum), das die Aushärtezeit verkürzen kann? Ich habe schon von beheizten Schalungen (im Skandinavischen Bereich) gehört, aber auch schon von Methoden, bei denen man Heizdrähte auf die Bewehrung bindet und diese mittels Kurzschluss (oder einfach nur viel Ampere ich weiss es nicht) beheizt, um so eine konstante Temp. von ca. 35° für 24 Std. zu erreichen.

    aber die Aushärtezeit bleibt ja dann trotzdem bei 28 Tagen oder nicht?



    Danke für eure Tipps und Erfahrungsbeiträge

    • Veröffentlicht von: Legacy Forum User
    • 26. Nov. 2007 10:31
    Hallo,



    ich weiß nicht wofür Du diese Info brauchst. Ich kann nur hoffen, dass Du eine gute Betriebshaftpflichtversicherung hast. Bei diesen Temperaturen zu betonieren ist aus verschiedenen praktischen Gründen schwierig. Fertigbeton ist nicht mehr lieferbar, weil schlicht die Zuschlagstoffe eingefroren sind. Bei -3° ist dies schon schwierig, weil sich durch den Frost Kiesnester bilden, die auch durch ständiges mischen nicht verschwinden.



    Die Betonbauer erleiden wegen der ständigen Feuchtigkeit Erfierungen an den Händen und das Anfassen von Stahl ist unmöglich, da die Haut bei Kontakt anklebt. Es ist davon auszugehen, das bei normalen Betonbauteilen die Schalung vorher steht.



    Diese Schalungsteile sind allesamt durchgefrohren. Bei Decken oder Wandbauteilen, die meistens eine Stärke von 25 bis 30 cm nicht überschreiten, gefriert der Beton, bevor er abbindet. Ich habe das alles bereits selber ausprobiert und extrem schlechte Erfahrungen damit gemacht, außerdem ist es für die Handwerker eine Zumutung.



    Es gibt die Möglichkeit vorgewärmten Beton zu verwenden. Je nach Bauteildicke und Geschwindigkeit kann man die Temperatur vorwählen. Nach Einbau des Betons kann dieser mit einer Isolierfolie / Luftpolsterfolie abgedeckt werden.



    Diese Folien gibt es mit Lufthutzen, an die man z.B. ein Dieselheizwerk anschließen kann. Die Schalung haben wir ebenfalls von unten beheizt. Zu guter letzt ist es ratsam, eine bessere Betonqualität zu nehmen. Der bessere Beton hat die vom Tragwerksplaner vorgeschriebene Festigkeit bereits wesentlich früher, das Risiko ist damit eingeschränkt.



    Und nun zur alles entscheidenden Frage: Was kostet der Spaß. Ich habe vor einigen Jahren unter solchen Umständen eine Betonplatte mit 3600 m² betoniert und einer Bauteildicke von 40 cm, Betonqualität C 25/30. Mehrkosten für den warmen Beton 7,00 EUR/m³, Mehrkosten für die bessere Betonqualität 8,00 EUR/m³.



    In Zahlen: Kosten Betondecke 226.000 EUR, Mehrkosten für Winterbau: Beton 21.600,00 EUR, Nachheizen über 10 Tage incl. Diesel 400 Liter am Tag: 3200,00 EUR. Mieten der mobilen Heizanlage: 2300,00 EUR Abdichten des Geschosses darunter (glücklicherweise nur Keller): 4500 EUR. Erschwerniszulage für Mannschaft: 11.000 EUR. Macht rund 43.000 EUR.



    Kostenmindernd ist noch zu erwähnen, dass das Unternehmen sehr viel Abwärme produziert. Diese haben wir über Wickelfalzrohre mit 70 Grad in den Keller geleitet.



    Fazit: riesen Aufwand, riesen Risiko, hohe Kosten!



    Das Beheizen von Bewehrung ist mir neu, ich weiß dass es solche Systeme gibt, die mit Kurzschluss freiliegende Wasserleitungen eisfrei halten. In Verbindung mit Bewehrung kann ich mir solche Systeme nicht vorstellen. Das Problem ist wie folgt: Der Beton ist im direkten Kontakt mit der Aussenluft und besonders empfindlich auf Frost, das heißt, der Bewehrungsstahl müsste so warm sein, dass der Beton an der Oberfläche 10° hält. Das Problem ist zusätzlich Wind. Im Inneren, wo sich die Heizquelle befindet, ist das Problem durch die Hydratationswärme des Beton sowieso viel geringer.



    Ich halte das System, wenn es das den gibt, für nicht realisierbar. Im Nachsatz sei noch erwähnt, das es auch Frostschutzmittel gibt, die dem Beton beigefügt werden können, diese sind jedoch meines Wissens in Deutschland alle nicht zugelassen.



    Außerdem ist Beton im Winterbau relativ eindeutig in der DIN 1045 geregelt. Beton muss im Einbauzustand und während der Nachbehandlung von +5° bis -3° eine Temperatur von min. 5° aufweisen. Fällt die Temperatur unter -3°, so muss der Beton im Einbauzustand und über die gesamte Nachbehandlung min +10° aufweisen.



    Plump ausgedrückt: bei Frost betonieren ist und bleibt sch....!



    MFG Ole Gadermann

    • Veröffentlicht von: Legacy Forum User
    • 1. März 2012 07:50
    Hallo aus Nordsibirien,
    ich greife mal dieses aeltere Thema wieder auf, da ich selbst hoechst interessiert an Euren Antworten bin. Ja, hier in Sibirien (Halbinsel Jamal) werden Draehte teils als Heizdraehte verwendet, teils direkt an die Bewehrung angeschlossen. Die Bauteile sind zwar einigermassen eingehaust, bei Aussentemperaturen von derzeit durchschnittlich - 20 Grad Celsius ist dies aber unwirksam, da die Waermezufuehrung mehr als duerftig ist.

    Nach dem Betonieren und Ausschalen ist, meines Erachtens nach, kein erfrorener Beton zu erkennen. Die Betonoberflaeche ist augenscheinlich gut und der Rueckprallhammerversuch wuerde bestimmt keine schlechten Ergebnisse zeigen. Wie kommt das zustande? Ist die Bewehrung derartig heiss/warm, dass der Beton trotz aller widrigen Umgebungsbedingungen normal erhaertet?
    Wer hat Erfahrung hierin, speziell auf Russland bezogen?
    Jens
Sie müssen sich anmelden oder ein Konto erstellen, um einen Beitrag zu erstellen.

Melden Sie sich an, um diesen Beitrag zu kommentieren:

Ähnliche Beiträge