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Dienstag, 06. Dezember 2022
Ausgabe 7778 | Nr. 340 | 22. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Quelle: Porr GmbH & Co. KGaA
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Stuttgart 21: Zementfreier Beton kommt in längstem Projekttunnel zum Einsatz

# 17.11.2022 Anzeige

Deutsche Bahn und Porr setzen erstmals neuentwickelten Ringspaltmörtel ein. Abfallprodukt Hüttensand als Zementalternative. Weitere Kooperationspartner für Recyclingbaustoff gesucht

Infrastruktur: Großprojekte als Chance für neue Bauprodukte

Beim Bau des Fildertunnels im Rahmen des Großprojekts Stuttgart 21 kam ein speziell entwickelter zementfreier Beton erstmals zum Einsatz. Foto: Arnim Kilgus Beim Bau des Fildertunnels im Rahmen des Großprojekts Stuttgart 21 kam ein speziell entwickelter zementfreier Beton erstmals zum Einsatz. Foto: Arnim Kilgus

Große Bauprojekte - vor allem im Bereich Infrastruktur - sind in der Regel einmalig. Dadurch erhalten regelmäßig neue Bauverfahren und Bauprodukte die Chance, sich in der Praxis zu bewähren.

Verantwortliche Akteure sind dann die ausführenden Bauunternehmen, die nicht selten selbst an der Forschung und Entwicklung beteiligt sind. Ein aktuelles Beispiel liefert die Deutsche Bahn, welche zusammen mit dem international agierenden Baukonzern Porr einen neuen Baustoff erstmals eingesetzt hat.

Es handelt sich dabei um einen sogenannten Ringspaltmörtel, welchen Porr gemeinsam mit der Firma MC-Bauchemie entwickelt hat. Zum Einsatz kam er jetzt im Rahmen des Großbauprojekts Stuttgart 21 beim Bau des knapp 9.500 Meter langen Fildertunnels.

Hüttensand ersetzt Zement

Der bereits patentierte Mörtel wird mit dem Recyclingprodukt Hüttensand anstelle von Zement gebunden. Diese feingemahlene Hochofenschlacke ist ein Abfallprodukt der Stahlerzeugungsindustrie. Das Pilotprojekt war laut Porr ein "voller Erfolg" und biete für künftige Bauvorhaben eine gute Vorlage.

Generaldirektor Karl-Heinz Strauss erklärt: "Abgesehen von unserem Beitrag zur CO2-Reduktion hat dieser Baustoff zwei grundsätzliche Vorteile. Er ist gegenüber Umwelteinflüssen unsensibler als zementhaltiger Beton. Und man kann ihn vor der Verarbeitung auch über lange Zeit problemlos transportieren, da er einen Aktivator benötigt, um vollends zu erhärten."

Weitere Partner für zementfreie Bauprojekte gesucht

Porr sucht weitere Partner, die bereit sind, gemeinsam mit ihr diesen Baustoff einzusetzen. "Auftraggeber sind oft sehr konservativ in ihren Ausschreibungsbedingungen und verlangen einen bestimmten Zementanteil", sagt Strauss, Generaldirektor bei Porr. "Hier muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden."

Darüber hinaus lässt Porr bereits weitere Recyclingprodukte auf ihre Einsatzfähigkeit als Bindemittel in Baustoffen prüfen, darunter auch Ziegelsand. Das Bauunternehmen gibt an, bislang pro Jahr 2,2 Millionen Tonnen an Baustoffen zu recyceln. 1,7 Millionen Tonnen davon würden bereits auf den eigenen Baustellen und Anlagen Primärrohstoffe ersetzen.

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